Dr. J. Baum

Reisen nach RNDr. Jiří Baum oder mit dem Tatra um die Welt

Studium

Jiří Baum wurde am 20.09.1900 in Prag geboren. Er wuchs in einer Zeit auf, in der die Technik und soziale sowie ökonomische Bewegungen des Beginns des 20. Jahrhunderts die Welt veränderten wie nie zuvor. Diese Zeit ermöglichte nun auch Reisen mit neuen Fortbewegungsmitteln, die es ermöglichten, auch bisher unentdeckte Gegenden zu erkunden. Baum war schon von Kindheit auf an der Natur und an Reisen interessiert. Auf Wunsch der Eltern studierte er auch die Wirtschaftsakademie. Das Einzige, was er davon später behielt, waren die Kenntnisse in Stenografie und im Maschinenscheiben. Er setzte sein Studium auf der naturwissenschaftlichen Fakultät der Karlsuniversität fort und schloss 1928 mit dem Titel eines Doktors das Studium ab.

Reisen

Noch vor dem Ende des Studiums begann er mit seinen Reisen. Nach ersten zackhaften Erkundungen Deutschlands und anderer Länder, führte ihn seine erste große Reise mit seinem Freund Viktor Mayer 1921 in die USA. Dazu hatten sie ein Stipendium benutzt, beide hatten sie beantragt und waren entschlossen, sich diese zu teilen, wenn sie nur einer bekommt. Zuerst hatten sie es mit dem Fahrrad versucht, bald zeigte sich aber, dass die Reise zu Fuß und als Anhalter sie schneller vorwärts brachte. Zum Schluss verdienten sie sich sogar Geld für einen alten Ford, aber mit dem alten Ford hat es eher Schwierigkeiten gegeben. Die Ausbeute der Reise war eine Sammlung von Fotografien.

Viktor Mayer fuhr weiter nach Südamerika, und Baum kehrte heim. Ein Jahr später besuchte er mit seiner Schwester Anna den Freund Viktor in Brasilien. Sie bereisten das Land und versuchten sich als Farmer. Dieser Versuch scheiterte, vielleicht auch deswegen, weil zu diesem Zeitpunkt in dieser Region eine Revolte ausbrach. Baum und seine Schwester Anna kehrten nach Prag zurück, und er setzte sein Studium fort, dabei spezialisierte er sich auf Arachnologie.

Noch während des Studiums unternahm er mit dem Botaniker Albert Pilát seine erste Reise nach Westafrika. Sie unternahmen einige Reisen in das Landesinnere, in der er zahlreiche Sammlungen anlegte. Dabei steckte er sich mit Malaria an und musste diese einige Zeit heilen.

Im Jahr 1928 unternahm er eine Reise nach Malaysia und umliegende Länder und nahm auch an einem Orthnologenkongress auf Java teil. Es ist charakteristisch für ihn, dass er malaysisch lernte und später auch aus dieser Sprache übersetzte.

In der nachfolgenden Zeit konzentrierte er sich auf Afrika. Zuerst bereiste er im Jahr 1930 gemeinsam mit den Zoologen des Nationalen Museums J. Mařan, J. Obenberger, K. Táborský und J. Staňek Tunesien und Algerien. Die freie Zusammenarbeit mit dem National Museum nahm eine Form an, die den wissenschaftlichen Teil aller weiteren Reisen beeinflusste. Er sammelte – auch auf Wunsch der Wissenschaftler – Material auf seinen Reisen und überließ sie dem Nationalen Museum.

Quer durch Afrika

Im Jahr 1931 besuchte er wieder Afrika, eine seiner anspruchsvollsten Reisen. Gemeinsam mit dem Tatra-Inhaber, Bildhauer F. V. Foit, unternahmen sie eine Reise quer durch Afrika, vom Norden bis zum Süden. Die Reise begann in Alexandria,über Kairo, weiter entlang des Nils durch Ägypten nach Sudan, Chartun, Stanleyville im Belgisch-Kongo, zum Albertsee in Uganda, weiter nach Nairobi in Kenia. Hier versuchten sie den Kilimandscharo zu besteigen, dabei kamen sie bis auf 5.500 Meter. Über Tansania und Rhodesien ging es zu den Viktoriafällen und trafen schließlich in Kapstadt in der damaligen Südafrikanischen Union ein.

Während dieser reiser hatte J. Baum zum ersten mal die Gelegenheit, sich über die Qualität der Tatra-Fahrzeuge zu überzeugen. Der Tatra 12 war nur ein wenig angepaßt, die Feder waren verstärkt. Zum größten Teil fuhren sie auf unbefestigten Straßen, der Wagen war überbelastet, außer der normalen Ausstattung mußten sehr oft die Studien des Bildahauers Foit transdportiert werden. Bei den Bergfahrten mußten sie sehr oft den Rückwärtgang benutzen, da dieser eine größere Übersetzung hatte. Während der gesamten Reise hatte der Wagen keine Panne.

Der zuverläßige, luftgekühlte Wagen hatte J. Baum fasziniert, es war gerade das, was er als Weltreisender brauchte. Alle anderen Fahrten unternahm er dann ausschließlich mit dem Tatra.

Mit dem Tatra um die Welt

Ab 1933 reiste Baum mit seiner Ehefrau Růžena, die er im spanischen Klub kennen lernte. Ihre erste Reise führte dann auch nach Spanien. Es folgten die baltischen Staaten und Skandinavien, die sie, wie alle weiteren Reisen auch, mit dem Tatra 54. unternahmen. Die Tatra-Werke entwickelten für die Armee einen Wagen mit 6 Rädern, den Tatra 72, mit dem Antriebe auf beide Hinterachsen. Die Karosseriefirma Uhlík baute auf dem Fahrgestell eine ansehnliche Wohnkabine, sogar mit einer kleinen Küche im hinteren Teil. Diese konnte ganz verdunkelt werden, um sie als eine Dunkelkammer verwenden zu können. Es entstand ein ideales Fahrzeug für den Weltreisenden-Zoologen.

Die Fahrt um die Welt im Jahr 1935 führte zuerst nach Australien, von Perth im Westen nach Adelaide, Melbourne, Sydney und Brisbane. Zusätzlich unternahm er in Westaustralien kleinere Reisen sowohl mit dem Wagen, als auch in Queensland mit dem Zug. Die Straßen waren in den dreißigen Jahren im sehr schlechten Zustand, der Tatra dabei bewies stets seine Qualitäten. Auf der gesamten Reise machte er auch die Tschechoslowakei bekannt, machte Vorträge im Rundfunk, aber auch an anderen Stellen.

Zu dieser Zeit wurde seine Kameraausrüstung um eine Rolleiflex-Zweilinsenspiegelreflex-Kamera ergänzt, endlich eine Kamera, mit der er perfekte Fotos machen konnte.

Von Australien ging es über die Phillippinien nach Japan und dann in die USA. Auch diese Abschnitte waren sehr interessant und brachte dem National Museum weitere wertvolle Sammlungen.

Afrika zum letzten Mal

Seine letzte Auslandsreise nahmen sie im Jahr 1938 auf, schon im Schatten der bevorstehenden politischen Situation. Als sie durch Österreich fuhren, wurden sie mit nazistischen Fahnen begrüßt. Die Zeit, die den Reisen gesonnen war, war vorbei. Sie besuchten mit dem Tatra-Wohnmobil eine ganze Reihe von Orten in Ostafrika, zahlreiche Nationalparks und weitere interessante Stellen in Süd- und Südwestafrika.

Widerstandskampf

Auf dieser Afrika-Reise erhielten sie die Nachricht vom der Besetzung der Grenzgebiete in der Heimat durch die deutschen Nazis. Sie hatten die Möglichkeit, im Afrika, Australien oder USA zu bleiben, entschieden sich jedoch, für die Freiheit der Heimat zu kämpfen. Sie überlegte auch, in die internationalen Brigaden einzutreten, kehrten jedoch beide in die Tschechoslowakei zurück und schlossen sich den dortigen Widerstandskämpfern an. .

Nach der Rückkehr traten sie in die Widerstandsgruppe ein, wo bereits die Schwester von J. Baum tätig war. Flugblätter wurden kopiert und verbreitet, den Vervollgten Unterschlupf gewährt, diverse Fotoarbeiten für die Gruppe ausgeführt. Nach dem Zerfall der Gruppe wurde J. Baum nicht verraten, später jedoch durch Verquickung unglücklicher Umstände im Jahr 1943 verhaftet und starb etwa ein Jahr später im Konzentrationslager in Warschau.

Das Werk

Sammlungen von J. Baum blieben jedoch im National Museum und auf der Universität erhalten. Seine Bücher, Reisebeschreibungen, Sci-Fi-Bücher für die Jugendlichen, zoologische Abhandlungen und Erzählungen erschienen in einigen Auflagen sowohl in den dreißiger Jahren, als auch nach dem Krieg. Sein umfangreiches fotografisches Werk wird gegenwärtig  im National Museum ausgestellt und die Digitalkopien sind teilweise im Internet veröffentlicht worden.

Reisebeschreibungen

Toulky po USA
V tropech u Guinejského zálivu – gemeinsam mit Herrn A. Pilát
Na březích Indického oceánu
Africkou divočinou
Okolo zeměkoule autem a lodí

Jugendliteratur

K neznámým břehům Brazilie
Abdalova dobrodružná cesta
Dobrodružná cesta malého černocha
V zemi slonů a lvů

Zoologische Publikationen

Stepí a pralesem
V říši pavouků
Jak poznám naše zvířata – gemeinsam mit Otakar Štěpánk
Zoologická technika – gemeinsam mit Otakar Štěpánek, Otto Jírovec a Walter Černý
Pactvo velké Prahy

Weitere Publikationen

Pa Belalang (Übersetzung eines malasischen Märchens)
Havaj včera a dnes
Na daleké cesty
Holub a Mašukulumbové
J. Baum schrieb ebenfalls zahlreiche geografische und zoologische Beiträge, die in den Magazinen „Naší přírodou“, Vesmír und anderen herausgegeben wurden.

Quellen und Links

Dr. Jiří Baum – Zoolog a cestovatel
Fotoarchiv von Dr. J. Baum und R. Baumová
Vikipeda – http://de.wikipedia.org/wiki/Ji%C5%99%C3%AD_Baum
Milan Olšanský – Cestováni podle Dr. Jiřího Bauma aneb sTatrou kolem světa – http://www.ikoktejl.cz/magaziny/koktejl/MKretro/koktejl_711.html

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